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Kunstmaler Karl Glauner-StiftungKarl Glauner 1902 - 2000 Karl Glauner wurde am 27. Februar 1902 in Wil als Sohn des Altarbauers Karl Glauner geboren. Schon in der Schule fiel sein überdurchschnittliches Zeichentalent auf; schon damals verspürte er die unbändige Lust zu malen. Nach der Matura folgte er den Weisungen seines Vaters nicht. Er führte das Architekturstudium nicht bis zum Ende, sondern besann sich auf seine innere Stimme, die ihn ganz für die Malerei eingenommen hatte. Kunstmaler wurde er auf dem Weg des Selbststudiums. Glauner vertraute auf seine, wie er überzeugt war, von Gott geschenkte Begabung. Es zog ihn auf Reisen, nach Paris, Wien, Salzburg und Italien. Karl Glauner genoss das Reisen. Von überall brachte er Skizzen und Zeichnungen mit, die er dann zu Hause im Atelier in Gemälde umsetzte. Ein tiefer Glaube - 1928 richtete er sich ein Atelier an der Kirchgasse ein, und 1934 zog er an den Klosterweg um, wo bis 1991 Hunderte seiner Werke entstanden. Aus der Menge der Walliser, Tessiner und Bündner Landschaften wie aus seinen religiösen Bildern strahlen berührende Wärme und die Liebe zum Sujet. Als Fundament ist ein tiefer Glaube unverkennbar: "Ich habe immer zur Ehre Gottes gemalt." Bescheidenheit - Glauner war eher von scheuer Natur. Man musste auf ihn zugehen. Er arbeitete sehr oft einsam - unbeachtet und oft verkannt - in seinem Atelier. Zeit seines Lebens arbei-tete er in bescheidenen Verhältnissen. Wäre Karl Glauner ein oberflächlicher Mensch gewesen, so hätte er irgendwann seine Tätigkeit, besser noch seine Berufung, aufgegeben und mit einem "gutbürgerlichen" Beruf getauscht. Doch sein Inneres hielt aller Verkennung stand, wenn gleich er sich in der Folge noch mehr in alle Stille und Geborgenheit seines Schaffens zurückzog. Spürte er, dass jemand die Sprache eines seiner Bilder verstand und schätzte, so konnte es vorkommen, das er das Bild vor Freude verschenkte, obwohl er die paar Franken selbst bitter nötig gehabt hätte. Tag für Tag führte ihn der Weg ins Atelier, denn ein Tag ohne Malen war für ihn wie ein Tag ohne Sonnenschein. Das Sichbefassen mit verschiedenen Maltechniken und Auseinandersetzen mit Farben und Sujets haben Glauner jung erhalten. "Höhen und Tiefen macht ein jeder Maler einmal durch, doch so ist es im Leben eines jeden Menschen." In Zeiten mit grossen Abgründen hielt sich Glauner immer an die letzten Worte von Franz von Assisi auf dem Sterbebett: "Lasst uns neu beginnen." Freiheit - "Enttäuscht war ich manchmal schon", gab Karl Glauner in einem Interview einmal nachdenklich zu, "und manchmal fühlte ich mich schon etwas missverstanden. Doch ohne Malen wäre ich nur ein halber Mensch gewesen, hätte ich mein Ich aufgegeben.Und verkaufen wollte ich mich auch nicht - nur meine Bilder. Doch lange hat ja kaum jemand Notiz genommen von meinem Schaffen. Kirchenbilder und Heiligenportraits sind eben nicht jedermanns Sache. Doch was versteht die heutige Zeit schon ... ." Und immer wieder hat Karl Glauner seine Freiheit betont, die ihm alles im Leben wert sei: die künstlerische Freiheit, die Bilder so zu gestalten, wie sie auf einen wirken, die malerische Freiheit, die Farben so zu verändern, wie sie vielleicht in Natura nicht anzutreffen sind, die menschliche Freiheit, einmal ein paar Tage auszuruhen, sich neu inspirieren zu lassen, sich geistig und körperlich von der Natur "auffüllen" zu lassen. "Freiheit ist überall - man muss sie nur sehen und geniessen können", war Karl Glauner überzeugt. Und eben diese Freiheit kommt auch in seinem Schaffen immer wieder zum Ausdruck, schimmert in vielen Bildern durch, lässt einen selbst "über den Wolken schweben". Ebenfalls zum Menschen Karl Glauner gehört seine Schlagfertigkeit, sein Schalk, das Geniessen von irdischen Freuden wie Speis und Trank, seine Erlebnisfreude an der Natur, seine Standhaftigkeit und sein Beharrungsvermögen trotz zierlicher Gestalt. Er konnte sehr wohl "seinen Kopf" haben, wenn ihm etwas nicht passte. ... Das Werk - Auch wenn die Bilder nichts Surrealistisches an sich haben, sondern immer gegenständlich gehalten sind, so wäre ein Glauner kein Glauner, hätte nicht jedes Werk seine eigene Geschichte. Karl Glauner zeichnete und malte besonders viel im Wallis, Bündnerland und im Tessin - und natürlich auch in seiner Heimatstadt Wil, die ihm lieb war, obwohl Wiler Sujets nicht sehr zahlreich sind. Die Gemälde entsprechen aber nicht blossen Wiedergaben des Gesehenen, nicht blossen Kopien. Unter den Gemälden finden sich nicht weniger als 200 Kirchen und Kapellen, die im Laufe der Jahre auf Leinwand und Papier festgehalten wurden. Das begonnene Architekturstudium hat dabei seine Wirkung nicht verfehlt. "Ohne das Verständnis von Verhältnissen in der Architektur hätte ich wohl eher Mühe bekundet, Gebäude derartig wiederzugeben", war Glauner auch überzeugt. "Und wahrscheinlich hat mir die damalige Zeit auch in der Gestaltung meiner Bilder an sich geholfen." Sein grösster Stolz galt dem Kreuzweg in der Kirche des Kapuzinerklosters Appenzell. 1935 schuf der damals noch junge Künstler ein eindrückliches Werk im Geiste neuzeitlichen Stils. Jahre vergingen, ehe sich Glauner wieder einmal aufmachte, sein Werk auf sich einwirken zu lassen: "Ich hatte Angst vor der Betrachtung, der Kreuzweg könnte mir nicht mehr gefallen. Doch das Gegenteil traf ein - das ganze Werk hinterliess einen tiefen Eindruck auf mich, hat mich gefesselt und gleichzeitig tief berührt." Ebenfalls einen berechtigten Stolz konnte Glauner auf sein Altarbild haben. Als letztes von fünf verschiedenen Austauschbildern erhielt es in der Stadtkirche St.Nikolaus trotz Kirchenrenovation und neuer Gestaltung einen festen Platz. Eine besondere Stärke Glauners liegt in den Kohle- und Rötelzeichnungen, seien es nun Portraits oder Ansichten. Die Konturen erscheinen kräftig und schwungvoll, sichtlich überträgt sich die Freude am Geschauten in die Hand des Künstlers. Durchbruch - In späteren Jahren gelang Karl Glauner dann doch in einem weiteren Kreis der Durchbruch. Aufmerksam wurde eine breitere Oeffentlichkeit auf sein Schaffen an einer Aus-stellung in Wil, in welcher dem Besucher ein Querschnitt des Lebenswerks Glauners gezeigt wurde. Dies war in seinem 85. Lebensjahr. Danach erhielt er häufig Besuch im Atelier. Auch während seines Aufenthaltes im Pflegeheim war er ein oft aufgesuchter Künstler. Obwohl ihm der Umzug ins Heim nicht leicht gefallen war, lobte er die Pflege und die Aufmerksamkeit des Personals - und er liebte es, von seinen Erlebnissen und von seinen Bildern zu erzählen. Sein letztes Bild schuf der Künstler im Alter von 90 Jahren. Damals entschloss er sich, den Pinsel aus der Hand zu legen und sich am vollbrachten Lebenswerk zu erfreuen. Sein Werk umfasst damit insgesamt über 4000 Gemälde, Zeichnungen und Skizzen. Am 18. April 2000 ist Karl Glauner nach einem bewegten Leben, das er ganz seinem Glauben, seiner Kunst und seiner Freiheit gewidmet hatte, ruhig für immer eingeschlafen. Die Verantwortung für den künstlerischen und den persönlichen Nachlass liegt bei der Ortsgemeinde und werden seit 2000 von der Kunstmaler Karl Glauner-Stiftung gepflegt und verwaltet. Mitlerweile sind die meisten Gemälde und Skizzen inventarisiert und fachgerecht gelagert. |